Videokonferenz Technik für mehr Gesundheit

Pilotprojekt für Telepresence Medizin in der Schweiz

Allgemein, Videokonferenz in der Praxis 19. Januar 2012

In einem zweijährigen Pilotprojekt sollen die Möglichkeiten medizinischer Beratung direkt in der Apotheke erprobt werden. Dabei soll es vor allem um einen Beitrag zu mehr Effizienz und Qualität in der gesundheitlichen Grundversorgung gehen.

Anstatt ins übervolle Wartezimmer einfach in die Apotheke – in einem separaten Behandlungsraum steht dort ein Telepresence-System von Cisco, über das ein Arzt zur Verfügung steht. Er kann kleinere Beschwerden auch über die Kamera des Videokonferenz-Systems begutachten, berät und verordnet gleich die richtigen Medikamente, die dann sofort im Anschluss in der Apotheke ausgegeben werden.

Keine Szene aus einer schöneren Zukunft, sondern bereits Realität. In einem zweijährigen Pilotprojekt in der Schweiz, das von der Schweizer Apothekenkammer, dem Schweizer Zentrum für Telemedizin und dem Krankenversicherer Helsana ins Leben gerufen wird, sollen die Möglichkeiten medizinischer Beratung direkt in der Apotheke praktisch erprobt werden. Es soll vor allem um einen Beitrag zu mehr Effizienz und Qualität in der gesundheitlichen Grundversorgung gehen, heißt es von der pharmaSuisse, der schweizerischen Apothekerkammer.

Das Videokonferenz System, das für das Pilotprojekt zum Einsatz kommt, ist Ciscos EX90 als HD Videokonferenz System. Die Standardausrüstung für alle schweizerischen Apotheken im Pilotprojekt umfasst einen 24-Zoll-HD-Bildschirm, Mikrofon und Kamera.

Der Name des zukunftsorientierten Pilotprojekts lautet vorerst „netcare“, zum gegenwärtigen Zeitpunkt nehmen 200 Apotheken daran teil. Einer der heikelsten Punkte des ganzen Projekts, die Bewahrung der ärztlichen Schweige- und Geheimnispflicht, wird einerseits durch die hochsichere und verschlüsselte Verbindung des Cisco Videokonferenz Systems Rechnung getragen, andererseits dadurch, dass die Apotheker in die ärztliche Schweigepflicht mit eingebunden werden.

Den Apotheken entstehen, bedingt durch das HD Videokonferenz System, Kosten von rund 10.000 Schweizer Franken jährlich – das entspricht rund 8.000 Euro. Die Kosten für den Krankenversicherer lägen dennoch deutlich niedriger, heißt es von Helsana. Das könnte langfristig auch als Beitragssenkung an die Versicherten weitergegeben werden. Langfristig wird auch davon ausgegangen, dass der Ärzteknappheit, hauptsächlich bei praktischen Ärzten, die im Schweizer Gesundheitssystem bereits eklatant zu werden droht, mit dem Videokonferenz Ansatz wirkungsvoll begegnet werden kann. Gleichzeitig würde die Tätigkeit des Apothekers entsprechend seiner langjährigen universitären Ausbildung und seiner Kompetenz aufgewertet.

Einfache und unkomplizierte medizinische Beratungen darf dann nämlich auch der Apotheker selbst durchführen. Ärzte würden von vielen Bagatellfällen in ihren Praxen wirkungsvoll entlastet. Die Frage nach der Haftung für die Beratung ist dabei recht einfach geregelt – für die von ihm durchgeführte Beratung haftet der Apotheker selbst. Zieht er via HD Videokonferenz einen Arzt des Zentrums für Telemedizin hinzu, geht die Haftung auf diesen über.

Insgesamt sind alle Beteiligten vom positiven Ergebnis des Pilotversuchs überzeugt – medizinische Beratung direkt in der Apotheke über Videokonferenz – respektive HD Videokonferenz – scheint ein Weg zu sein, der in Zukunft sehr wohl die Struktur der medizinischen Grundversorgung nachhaltig verändern könnte. Darüber sind sich alle Beteiligten einig.

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