Verbindung von Medizin und Kommunikationstechnik

Dank Videokonferenz: Medizinische Behandlung am anderen Ende der Welt

Allgemein 18. April 2013

Trotz einer Distanz von mehr als 12.000 Kilometern ist es jetzt dank moderner Videokonferenztechnik erstmals gelungen, eine Patientin erfolgreich aus der Ferne zu behandeln. Die in Brunei lebende Patientin konnte mit Hilfe einer Diagnose von Medizinern aus Frankfurt am Main behandelt werden. Die 12 Jahre alte Dhania befand sich, zunächst eingeliefert wegen einiger Schmerzen am Knie, in einem Krankenhaus in ihrer Heimat. Doch plötzlich erlitt sie einen Schlaganfall, bekam zudem epileptische Anfälle und war urplötzlich über die komplette linke Körperhälfte ganzseitig gelähmt.

Direkter Kontakt zu deutschen Experten

Weil die Mediziner im Jerudong Park Medical Center keinen Rat mehr wussten, wollten sie sich der Hilfe erfahrener Experten versichern. Sie schalteten Kollegen aus Frankfurt ein, ließen eine Videokonferenz einrichten und ermöglichten es der jungen Patientin, direkt mit den Ärzten aus Deutschland in Kontakt zu treten. Die Diagnose war überraschend und schockierend zugleich – die Mediziner konnten aufgrund des direkten Kontaktes mit dem Mädchen eine seltene Autoimmunkrankheit namens Lupus erythematodes feststellen. Sie ist dafür maßgeblich, dass nach einem Befall von Gelenken, Nieren, Herz und Lungen auch das Gehirn geschädigt wird und endet deshalb oft tödlich.

Ein Zufall als Beginn der Behandlung per Videokonferenz

Dass die außergewöhnliche Behandlungsmethode möglich wurde, liegt nicht nur an der digitalen Technik, die Ländergrenzen und Distanzen verschwinden lässt. In diesem Fall wollte es der Zufall, dass die für Akutneurologie zuständige Klinik in Brunei durch eine Neurologin aus Praunheim aufgebaut wurde. Die Medizinerin hatte vor einigen Jahren den Außenminister des Landes erfolgreich behandelt und wurde anschließend durch den Sultan eingeladen, eine neurologische Klinik in Brunei zu etablieren. Dies ist umso notwendiger, als in der Vergangenheit eine Schädigung des Hirns in Brunei praktisch einem Todesurteil gleichkam.

Expertise ans andere Ende der Welt

Im aktuellen Fall wurde nun die Patientin Dhania in die neu errichtete Klinik gebracht. Von Frankfurt-Praunheim aus leitete die Medizinerin mit ihrem Team die komplette Behandlung. Durch den parallel stattfindenden Datenaustausch erhielten die deutschen Mediziner Röntgenaufnahmen und Laborwerte und konnten entsprechende Schlussfolgerungen ziehen. Vor allem aber war es aufgrund der direkten Kontakte möglich, auch in den Deutschland den Verlauf der Heilung zu beobachten und bei Auffälligkeiten sofort zu reagieren.

Bedeutung der Konferenzen wächst auch in Deutschland

Inzwischen sind sich Mediziner sicher, dass dank der zunehmenden Verbreitung digitaler Technik, die Überwachung von Patienten und deren gesundheitlichem Zustand aus der Ferne immer weiter an Bedeutung gewinnt. So können Patienten auf diesem Wege die Werte für Blutdruck und Blutzucker auch selbst messen und ohne zusätzlichen Gang in die Praxis an den Mediziner übermitteln. Einzige Voraussetzung: Die Technik für die zunehmend älteren Patienten muss so leicht bedienbar sein, dass sie von jedermann genutzt werden kann.

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